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WERKSCHAU:BERNHARD
„Ich hab’ überhaupt noch nie ein Interview gegeben, ich hab’ höchstens mit Leuten geredet, und die haben zusammengeschustert, was sie wollten. (...) So kann man dutzenderlei Bernhards draus machen. Sie können einen dramatischen,
einen tragischen, einen verlogenen, einen
widerlichen, einen lustigen, wie’s ihnen passt, draus machen.“ Ein besseres Vorwort kann es zur 2. WERKSCHAU am Theater Erlangen nicht geben. Im Zentrum steht einer der streitbarsten und streitlustigsten Dramatiker der Neuzeit, ein Ärgernis der literarischen Szene: Thomas Bernhard.
1931 in den Niederlanden geboren brachte seine Mutter Herta Bernhard den unehelichen Sohn zu den Großeltern nach Wien. Mit 16 Jahren brach Bernhard den Besuch der Geistesvernichtungsanstalt (Schule) ab und startete eine Kaufmannslehre. Nach längerer Genesung von einer Lungentuberkulose begann 1950 seine Karriere zuerst als Kritiker, bald darauf als Autor von Kurzgeschichten und Prosa. Bernhards Theaterstücke haben inen „bittersüßen“ Geschmack, der trifft. Zwar handeln sie zumeist von der Einsamkeit des Menschen, der Zerstörung der Welt, von der Hoffnung und Hoffnungslosigkeit des Künstlers, noch schaue man genau hin, so Reich-Ranicki, erkenne man den heiteren Tragiker, makabren Humorist, den lachenden Rebell.
1970 wird EIN FEST FÜR BORIS am Deutschen Schauspielhaus Hamburg uraufgeführt. Regisseur Claus Peymann wird ein langer Wegbegleiter Bernhards und setzt weitere Stücke des Österreichers, auch skandalös, in Szene. So kam es 1972 bei der Uraufführung von DER IGNORANT UND DER WAHN SINNIGE in Salzburg zu einem Eklat, da Bernhard am Ende des Stückes auf absolute Dunkelheit bestand und das Löschen der Notbeleuchtung forderte. Die Festspielleitung weigerte sich, das Stück wurde nach der Premiere abgesetzt.
In unserer Inszenierung DER THEATER MACHER können Sie Bernhards Selbstparodie zu diesem Skandal im Rahmen der WERKSCHAU: BERNHARD live erleben. 1989 stirbt der große wie störrische Einzelgänger (Reich-Ranicki). Nicht nur, dass die Öffentlichkeit erst nach der Beerdigung vom Tod des Autors erfährt, sondern auch sein Testament löst noch einen kleinen Skandal aus: Bernhard verfügt, dass seine Werke in Österreich weder nachgedruckt noch aufgeführt oder auch nur rezitiert werden dürfen. 1998 wird das Verbot aufgehoben, allerdings finden weiterhin öffentliche
Bernhard-Veranstaltungen ohne Patronanz
und Anwesenheit von Politikprominenz statt. Dem Skandalösen, dem Eigenbrötlerischen dieses kauzigen Autors wollen wir uns in Lesungen,
Vorträgen und Gesprächen nähern.
Neben der Inszenierung DER THEATERMACHER laden wir zwei weitere Bernhard-Produktionen als Gastspiele ein.
2. JET-TAGE - Theatertage für Kinder und Jugendliche
Frisch war sie, die Neue Dramatik für Kinder und Jugendliche von Kindern und Jugendlichen gelesen
im März 2010. Mit deutschsprachigen Erstlesungen standen über 50 Kinder, Jugendliche und Studierende im Zentrum des Interesses. Mutig waren sie, die Schüler einer 5. Klasse der Realschule am Europakanal, Studierende von
UniDrama und der Jugendclub BÜHNENTAUCHER, als sie vor anderen auf einer Theaterbühne ihre ausgewählten Stücke lasen. Sie nahmen allen
Mut zusammen und machten vielen anderen
Mut und Lust aufs Lesen. Die Resonanz beim jungen Publikum und bei den Fachleuten war groß und die so entstandenen Kooperationen werden
nun bei den 2. jet-TAGEN 2011 eine Fortsetzung finden.
Im Kontext unserer Produktion „MUTWERK – Ein Theaterprojekt zum Thema Zivilcourage“ machen wir uns mit Kindern und Jugendlichen auf die Suche nach Formen von Zivilcourage im Alltag.
„Frisch also! Mutig ans Werk!“ Bereits Friedrich Schiller schätzte den Wagemut – oder auch Beherztheit genannt – über alle Maßen. Redewendungen wie „allen Mut zusammennehmen“, „Nur Mut!“, „sich Mut machen“ oder „guten Mutes sein“ gebraucht man im Alltag ständig. Doch wie steht es mit Zivilcourage – die
Bereitschaft zur eigenen Meinung zu stehen – an der es vielen heute mangelt? Ist es unter Umständen schwieriger, das Wenige an Zivilcourage ls das Große, als den wirklichen
Mut zu zeigen? Sich eine eigene Meinung bilden, gegen den Strom schwimmen, Verantwortung für
andere Menschen übernehmen ist eine Grundbedingung menschlichen Zusammenlebens.
Was bedeutet uns heute noch Zivilcourage: Hinschauen und einmischen, trotz aller Ängste und ohne Rücksicht auf eventuelle persönliche Nachteile? Auf jeden Fall gehören zwei Dinge zweifellos dazu: Mut und Risiko. Kinder und Jugendliche machen sich daher schon mal mutig ans Werk!
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