SPIELZEIT

"MAN SCHÄTZT DEN STAUB, EIN WENIG ÜBERGOLDET, WEIT MEHR ALS GOLD, EIN WENIG ÜBERSTAUBT."

Katja Ott, Intendantin

 

Meine Damen und Herren, liebe Theaterfreunde,

 

als die ersten Überlegungen zur Spielzeit 2012.2013 losgingen, war der Begriff „Plagiatsaffäre“ gerade in den aktiven Wortschatz übergegangen, und schon bald darauf wurde er durch den Begriff „Ehrensold“ ergänzt. Molieres TARTUFFE – der nach außen Ehrenhafte und Tugendreiche, dem es gelingt, hinter dieser Fassade seine egoistischen Interessen, seine Gier und Überheblichkeit zu verstecken – scheint an Brisanz nichts verloren zu haben.

 

Dieser Spielzeitauftakt ist Programm. Wir werden mit komödiantischen und aberwitzigen, mit beklemmenden und bösen Texten Scheinwelten aufspüren, indem wir hinter Fassaden schauen – einige werden zerbröckeln, andere zementiert und manch eine auch überwunden werden.

 

So gedenkt ein Aussteiger, GENANNT GOSPODIN, sich den Zwängen unserer Konsumgesellschaft gänzlich zu entziehen, indem er all seinen Besitz hergibt, da dieser ohnehin ja nur abhängig und unfrei macht.

 

DER GROSSE GATSBY hingegen will Glück und Freiheit durch das Erreichen von Reichtum und Macht erringen. Die Eltern einer vierten Klasse, vom gesellschaftlichen Leistungsdruck völlig geblendet, sehen die Zukunft ihrer Kinder allein im magischen Notendurchschnitt 2,33 für den Übertritt aufs Gymnasium, auch wenn die einzige Rettung dafür, getreu dem Motto: FRAU MÜLLER MUSS WEG, in der Absetzung der Klassenlehrerin liegt.

 

In KRIECH ODER: ORIENTIERUNGSHILFE FUR DEN WERTEKOMPASS stehen drei Figuren, die um jeden Preis ihr Leben verbessern wollten, nun völlig überrascht vor dessen Scherbenhaufen, obwohl sie doch alles taten, was von ihnen erwartet wurde – selbst das Überschreiten von moralischen Grenzen. Viele Themen, unterschiedliche Stoffe und Erzählweisen und letztlich nur eine Frage: Nach welchen Werten wollen wir leben?

Herzlich Willkommen zur Spielzeit 2012.2013!

 

Katja Ott, Intendantin

im Namen aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter