Schneiderei

Wann kommt ihr zum ersten Mal mit einer Produktion in Berührung?
Meistens melden sich die Kostümbildner*innen deutlich vor der Konzeptionsprobe – also ca. 3 Monate vor der Premiere – und stellen ihre Figurinen vor.

Wann habt ihr zum letzten Mal mit einer Produktion zu tun?
Bei der Dernière sind wir dabei, weil wir auch als Ankleiderinnen alle Vorstellungen betreuen. Anschließend werden die Kostüme gewaschen, eventuell repariert und kommen meistens in den Fundus. Dann werden sie irgendwann als Probenkostüm oder teilweise in einer neuen Produktion wieder benutzt.

Typische Begriffe oder geflügelte Worte, die ihr verwendet:
„Figurine“ ist grundsätzlich das Modell, was die Kostümbildner mitbringen. Das kann gezeichnet sein oder eine Collage aus Fotos und Bildern. Manchmal können es auch nur Assoziationen sein, was man mit dem Kostüm aussagen möchte. Aus diesen Vorlagen entwickeln wir dann Schnittmuster und suchen gemeinsam Stoffe. Ein Kostüm ist „gestorben“: Das kann während der Probenphase passieren oder auch erst bei einer Endprobe kurz vor der Premiere, weil das Kostüm vielleicht nicht mehr zum Spiel passt. Zum Beispiel gab es mal in aufwendig besticktes Kleid mit Perlen, und dann stellte sich heraus, dass die Spielerin mit Klebeband eingerollt wird. So etwas passiert ungefähr bei jeder zweiten Produktion und hat damit zu tun, dass es die Figurine meistens vor dem Probenstart gibt, und durch die Proben kommt ja erst das Spiel mit den Kostümen hinzu. „Das verspielt sich“: Es kommt hin und wieder vor, dass wir etwas schummeln müssen, wenn es zum Beispiel einen schnellen Umzug gibt, nähen wir einen Klettverschluss statt Knöpfe ein.

Was kann in eurem Bereich schiefgehen?
Bei schnellen Umzügen während einer Aufführung kann schon mal was schiefgehen, weil es meistens auch noch dunkel ist. Bei den Endproben von Der große Gatsby mussten schnell Schuhe mit Schnürsenkeln ausgezogen werden. Dabei entstand ein Knoten, und nichts ging mehr. Dann lag der Spieler auf dem Boden, und zwei Kolleginnen zogen an ihm. Seitdem haben wir immer Ersatzschnürsenkel dabei, falls die einzige Lösung der Schnitt mit der Schere wäre.

Was war eine der letzten herausragenden Inszenierungen für eure Abteilung?
Farm der Tiere, weil das alles Kostüme waren, die nichts mit gewöhnlicher Kleidung zu tun hatten. Sie waren sehr fantastisch. Wir mussten völlig neue Materialien suchen und haben zum ersten Mal Latex verarbeitet – das klebt man nämlich, statt zu nähen. Es gab mehrere aufwendige Anproben mit den Spieler*innen. Einfach eine tolle Teamarbeit.

Gibt es Aufgaben, die ihr gerne an die Heinzelmännchen abtreten würdet?
Wenn viel wieder aufgetrennt oder zum Beispiel für Tüllröcke etwas eingekräuselt werden muss.

Und welche Aufgaben würdet ihr euch auf keinen Fall nehmen lassen?
Das Maßschneidern und die speziellen Herausforderungen für den Gebrauch, wenn zum Beispiel eine Schauspielerin in dem Kostüm Spagat machen muss.

Welche Frage würdet ihr euch selbst gern noch stellen?
Was fasziniert euch an dem Beruf? Neben dem handwerklichen Können ist es vor allem die Zusammenarbeit mit immer wieder neuen Künstler*innen, die ihre ganz
eigene Geschichte haben. Permanent stellen wir uns neu darauf ein und finden auch immer wieder einen eigenen Weg der Zusammenarbeit.

Wie viele Dienstjahre am Theater Erlangen zählt eure Abteilung insgesamt?
53 Jahre
Wie viele Dienstjahre am Theater zählt eure Abteilung insgesamt?
57 Jahre

Fotos: Lisa Giesinger