Grüße aus der Coronapause: Matthias Kaschig

Hallo, von wo aus schreibst du uns?
Unsere Premiere von Der Untertan fand an dem letzten Wochenende vor dem „Shutdown“ statt, anschließend hatte ich noch eine Veranstaltung in Freiburg und seither sitze ich neben dem Kaiserstuhl. Diese Region zählt zu den wärmsten und schönsten Urlaubszielen Deutschlands.

Woran arbeitest du gerade oder womit bist du beschäftigt? Kannst du arbeiten? Welche Pläne mussten geändert werden?
Ich reagiere derzeit auf Stellenausschreibungen, die eine unbefristete Sicherheit bieten, anschließend stelle ich mir vor, wie sich mein Leben dadurch verändern könnte. Solange wir nicht mit diesem Virus leben können oder immun dagegen sind, habe ich mir das Theater abgeschminkt. Meine nächste Inszenierung basiert auf einem Text über das Wesen des Unfalls. Der Unfall bietet die Möglichkeit, dass etwas Unvorgesehenes passiert. Der Unfall als Glücksfall. – Momentan fahren wir mit diesem Vorhaben auf Sicht und diese ist schlecht.

Hast du etwas neu lernen müssen / dürfen?
Mikroben machen derzeit klar, was es bedeutet, dass der Mensch ein Lebewesen ist, aber weil ich derzeit häufig aufgefordert werde, mich als Herdentier zu verstehen bin ich letztlich doch beleidigt. Ansonsten lerne ich Französisch, nicht nur weil ich derzeit das Elsass sehe, sondern tatsächlich auch, weil Martin Schulz als EU-Präsident mal in einer Rede erwähnte, dass er wegen des frankophilen Heinrich Mann diese Sprache sprechen wollte.

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Gibt es eine Figur aus deiner aktuellen Inszenierung am Theater Erlangen, die in der jetzigen Situation einen guten Tipp für uns hätte? Zum Beispiel gegen Langeweile oder für Gelassenheit?
Der alte Buck hat grundsätzlich gute Tipps, auch wenn er sie klagend formuliert, weil die Menschen „ihren Privatinteressen nachjagten und zufrieden waren, wenn sie den unedlen Bedürfnissen eines anspruchsvollen Genusslebens genügen konnten. Die Sorge um das öffentliche Wohl ist ihnen abgenommen.“ Ich fürchte, dass die derzeitige Krise mitunter instrumentalisiert wird, aber ich hege die Hoffnung, dass der Gedanke des Gemeinwohls daraus gestärkt hervorgehen wird.

Hast du selbst noch einen Buch-, Film- oder Serientipp oder – warum nicht – ein neu entdecktes Kochrezept?
Der Roman Der Untertan hat ungefähr 133.000 Wörter, bei einer Vorstellung werden davon nur wenig mehr als 10 % ausgesprochen. Wenn Sie sich nun die Zeit nehmen wollen, können Sie lesen was Ihnen womöglich fehlt, wenn Sie wieder ins Theater gehen. – Zum Kochen: Ich habe Bärlauch für ein Pesto gesammelt, denn irgendwie muss ich die gehamsterten Nudeln ja verdrücken.