Grüße aus der Coronapause: Dominik von Gunten

Hallo, von wo aus schreibst du uns?
Langweiligerweise von meinem Schreibtisch. Der ist vollgestapelt mit Dreimal-die-Welt-Materialien, einer Yoga-Anfänger-DVD, einem Wecker, der eine Viertelstunde vorgeht, einer Tube Handcrème, 5 Beschwerden an einen Telefonanbieter, der uns abzockt und verarscht, Scham und Schande von Rushdie, der Computertastatur, Post-Its in 4 Größen, einem nicht geführten Tagebuch und … jetzt weiß ich endlich, warum ich nie Platz habe auf meinem Schreibtisch.

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Woran arbeitest du gerade oder womit bist du beschäftigt? Kannst du arbeiten? Welche Pläne mussten geändert werden?
Ich arbeite zum Teil am Stück. Das ist ein Fass ohne Boden. Ich lese sehr viel, z. B. über interkulturelle Kommunikation. Ich taste mich in Projekte vor, die ich angefangen und aus Zeitmangel unterbrochen habe. Mich beschäftigt die Situation der Geflüchteten in Syrien, der Türkei, Griechenland, Libyen und anderswo. Ich denke, es ist absolut wichtig, dass wir diese Menschen nicht vergessen und unsere Regierungen zwingen, endlich zu handeln und die Menschenrechte einzuhalten.

Hast du etwas neu lernen müssen / dürfen?
Ich denke immer wieder, wen ich besuchen kann, da ich ja Zeit habe und muss dann kapieren, dass genau das ja nicht geht (täglich etwa 17mal). Ich finde, dass das gesellschaftliche Runterfahren eine Chance ist und versuche die, wie viele andere Leute, zu kapieren und zu nutzen. Eigenartig ist, dass diese erzwungenen Einschränkungen Lust auf Aktivität machen. Man hat das Gefühl, man müsse das beschränkte Leben unbedingt ausnützen. Und es ist echt wohltuend, dass im Moment nicht Ätz-Meldungen und –Meinungen, Fakenews, AfD-Müll und Nazi-Idiotien im Vordergrund stehen. Natürlich existieren sie genauso wie vorher und müssen bekämpft werden. Aber im Zentrum steht so etwas wie eine gemeinsame Verantwortung und … Solidarität(?). Ein bisschen neues Lebensgefühl eine Verschiebung des Fokus auf das, was wir zusammen wollen statt auf das, was wir scheiße finden. Vielleicht liegt darin auch ein Ansatz, den Rechtsextremismus zu bekämpfen?

Gibt es eine Figur aus deiner aktuellen Inszenierung am Theater Erlangen, die in der jetzigen Situation einen guten Tipp für uns hätte? Zum Beispiel gegen Langeweile oder für Gelassenheit?
Es gibt quasi ein Motto im Stück, von Georg Forster, um den das Stück sich immer wieder dreht:
„Ich wünschte in der Welt nützlich zu seyn – was kann ich dazu thun“?
Ich finde, die Frage kann man sich tatsächlich immer wieder stellen (gerade als Theatermensch, der ja – wie wir jetzt definitiv wissen – eine nichtsystemrelevante Arbeit verrichtet) und versuchen, entsprechend zu agieren.
Und da wir ja alle zu Haus zusammengepfercht (gefühlt) sitzen, noch eine kleine Sequenz von Georg, der eine Frau – notfalls auch einen Mann – sucht, der/dem er versichert: „Du musst auch nicht immer meiner Meinung sein, meine Meinung hab ja schon ich“. Georg erzählt über seine Ex-Freundin: … wenn sie mich angefasst hat … am Knie zum Beispiel, fasst man sich ja nie hin, ans eigene Knie … Wenn sie ihre Hand an mein Knie, hab ich gemerkt, Mensch, ich hab ja Knie! Und Hals, und Rücken… Da hab ich immer erst gemerkt, was überhaupt zu mir gehört.“
Wir haben im Moment so viel Zeit, uns ans Knie zu fassen.

Hast du selbst noch einen Buch-, Film- oder Serientipp oder – warum nicht – ein neu entdecktes Kochrezept?
Zwei Bücher, die mir im Zusammenhang mit der Corona-Epidemie immer wieder einfallen:
Thomas Glavinic,
Die Arbeit der Nacht und
José Saramago,
Die Stadt der Blinden**

Und ein Rezept? Klar! Superlecker und einfach:
Garnelen-Kokos-Curry
500 g geschälte rohe Garnelen
2 Zwiebeln
2 EL Ghee
1 Lorbeerblatt
2 TL Kurkuma
½ TL Chilipulver
1 TL Garam Masala
400 ml Kokosmilch
1 TL Zucker, Salz
Die Zwiebeln grob hacken und im Mixer pürieren. Das Ghee in einer Pfanne (oder im Wok) erhitzen, das Lorbeerblatt darin 1 Minute braten (rühren). Die Zwiebelmasse und die übrigen Gewürze zugeben, 2 Min. weiterbraten, dabei ständig rühren. ¼ l Kokosmilch zugießen. Zucker zugeben, salzen und bei starker Hitze offen 5 Min. kochen lassen.
Die Garnelen gewaschen in die Sauce geben und zugedeckt bei schwacher Hitze 10 Min. garen. Die restliche Kokosmilch zugießen und bei mittlerer Hitze offen weitere 5 Min. köcheln lassen. Dazu Reis.
Aus: Tanja Dusy, Ronald Schenkel,
INDIEN, Küche und Kultur**